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Naturwissenschaftliche Kenntnisse: was feststeht, was nicht

Ein Viertel des neuen Tests hängt an diesem Untertest. Einen offiziellen Themenkatalog gibt es dafür nicht – was manche Anbieter nicht daran hindert, einen zu verkaufen.

Von allen Änderungen, die der TMSnat bringt, ist diese die folgenreichste: Naturwissenschaftliche Kenntnisse ist mit 40 Aufgaben die größte Aufgabengruppe des Tests und die einzige, die Wissen abfragt statt Denkleistung auf vorgelegtem Material. Bei allen anderen Untertests bekommst du alles Nötige mitgeliefert – einen Text, ein Diagramm, eine Formel – und musst nur richtig damit umgehen. Hier nicht. Hier weißt du es oder nicht.

Weil das so ist, wird zu diesem Untertest viel geschrieben. Und weil es kaum belastbare Angaben gibt, ist vieles davon erfunden. Deshalb hier zuerst die Trennung: was steht wirklich fest, und was nicht.

Was offiziell feststeht

  • Die Aufgabengruppe heißt Naturwissenschaftliche Kenntnisse und steht als Nummer 1 am Anfang des Testtags.
  • 40 Aufgaben in 60 Minuten – also anderthalb Minuten pro Aufgabe, gut 40 Prozent weniger als in den vier aus dem TMS übernommenen Untertests.
  • Sie ist mit Abstand die größte Gruppe: 40 von 156 beantworteten Fragen, also rund ein Viertel des Tests.
  • Sie stammt aus dem HAM-Nat, dem Hamburger Naturwissenschaftstest, der mit dem TMS im TMSnat zusammengeführt wird.

Quelle für all das ist ein einziges Dokument: „Geplante Zusammensetzung des TMSnat" auf tms-info.org, Stand 26. Juni 2026. Es umfasst eine Tabelle. Mehr gibt es nicht.

Eine Kleinigkeit, die zeigt, wie frisch die Lage ist: In einer früheren Fassung hiess die Gruppe noch Naturwissenschaftsfragen. Ein Teil der Ratgeberseiten benutzt diesen Namen bis heute – ein brauchbarer Hinweis darauf, wann dort zuletzt in die Quelle geschaut wurde.

Was nicht feststeht

Das ist die längere Liste, und sie ist der eigentliche Punkt dieses Artikels:

  • Es gibt keinen veröffentlichten Themenkatalog für den TMSnat. Kein Fächerverhältnis, keine Stoffgrenzen, keine Tiefe.
  • Es gibt keine offiziellen Beispielaufgaben für diese Gruppe.
  • Es gibt keine Angaben zur Auswertung des TMSnat – weder zur Gewichtung der Gruppen untereinander noch dazu, ob es wie beim TMS ungewertete Füllaufgaben geben wird.

Trotzdem findest du im Netz Themenlisten, die wie amtliche Vorgaben aussehen. Eine Seite nennt zwanzig Themen, eine andere übernimmt stillschweigend den HAM-Nat-Katalog, eine dritte verkauft Lehrinhalte für 119 €. Keine dieser Listen ist offiziell. Das heißt nicht, dass sie unbrauchbar sind – aber du solltest wissen, dass du dort eine Vermutung liest und keine Vorgabe.

Die beste verfügbare Orientierung – und ihre Grenze

Es gibt eine Quelle, die näher dran ist als alle Vermutungen: Der HAM-Nat, aus dem dieser Untertest stammt, veröffentlicht seinen eigenen Themenkatalog. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf stellt ihn als PDF bereit. Er deckt Biologie, Chemie, Physik und Mathematik auf Schulniveau ab und ist detailliert genug, um danach zu lernen – bei Chemie etwa Atombau und Periodensystem, Bindungstypen, Zustandsformen und Lösungen, Redoxreaktionen, organische Moleküle.

Die Grenze dieser Orientierung muss man ehrlich benennen: Das ist der Katalog des HAM-Nat, nicht der des TMSnat. Niemand hat gesagt, dass er übernommen wird. Er ist die plausibelste Annahme, weil die Aufgabengruppe von dort kommt – aber er ist eine Annahme.

Praktisch heißt das: wer sich am HAM-Nat-Katalog orientiert, lernt mit hoher Wahrscheinlichkeit das Richtige, sollte aber nicht davon ausgehen, damit eine Garantie in der Hand zu haben.

Warum du trotzdem jetzt anfangen solltest

Die naheliegende Reaktion auf „es gibt keinen Katalog" ist, zu warten. Das ist bei diesem Untertest der teuerste Fehler, den man machen kann, und zwar aus einem strukturellen Grund.

Technik lässt sich in Wochen aufbauen. Wer lernt, eine Behauptung gegen ein Diagramm zu prüfen oder eine Formel sauber umzustellen, sieht nach vier Wochen Übung deutlich besser aus. Wissen lässt sich nicht in Wochen aufbauen. Vier Schulfächer auf Abiturniveau zu wiederholen – oder nachzuholen, wenn man Chemie nach der zehnten Klasse abgewählt hat – ist ein Projekt über Monate, nicht über Wochen. Und es ist das einzige Stück Vorbereitung, das sich nicht komprimieren lässt.

Dazu kommt das Zeitbudget. Anderthalb Minuten pro Aufgabe bedeuten: Du hast keine Zeit, dir etwas herzuleiten. Was du nicht abrufbar weißt, kostet dich die Aufgabe. Genau deshalb ist hier Vorlauf wichtiger als Cleverness.

Wie man sinnvoll anfängt, ohne Katalog

  1. Inventur statt Lernplan. Bevor du lernst, stell fest, wo du stehst. Vier Fächer, je eine Stunde alte Klausuren oder Abituraufgaben. Was du nicht mehr kannst, weißt du danach – und nur das gehört in den Plan.
  2. Schulniveau ernst nehmen, nicht überbieten. Der Untertest prüft Schulstoff, nicht Studienstoff. Wer anfängt, Biochemie-Lehrbücher zu lesen, lernt am Test vorbei.
  3. Das abgewählte Fach zuerst. Der größte Zuwachs liegt dort, wo du bei null anfängst, nicht dort, wo du von 70 auf 80 Prozent kommst.
  4. Rechnen mitüben. Mathematik steckt in diesem Untertest und ausserdem in zwei weiteren. Wer Kopfrechnen und Einheiten sicher beherrscht, verdient daran an drei Stellen gleichzeitig.
  5. Nicht auf den Katalog warten. Falls doch einer veröffentlicht wird, verlierst du nichts – du streichst dann, was nicht drankommt. Umgekehrt lässt sich verlorene Zeit nicht nachholen.

Was wir tun, wenn sich etwas ändert

Dieser Artikel wird nachgezogen, sobald die offiziellen Angaben sich ändern – mit sichtbarem Datum, damit du erkennen kannst, ob du gerade etwas Aktuelles liest. Bei einem Test, dessen Zusammensetzung ausdrücklich als Planungsstand bezeichnet wird, ist das keine Nebensache, sondern das eigentliche Qualitätsmerkmal.

Quellen

  • Studienstiftung des deutschen Volkes: „Geplante Zusammensetzung des TMSnat", Stand 26.06.2026, auf tms-info.org.
  • Themenkatalog des HAM-Nat, veröffentlicht vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auf uke.de.