Was der TMSnat überhaupt ist und was gegenüber dem TMS wegfällt, steht in „TMSnat 2027: was sich gegenüber dem TMS ändert". Hier geht es nur um die Zahlen.
Beim Vergleich von Ratgeberseiten zum TMSnat stolpert man über einen Widerspruch: die einen schreiben von sieben Untertests und 156 Aufgaben, die anderen von acht und 176. Das verunsichert, weil man annimmt, eine Seite habe schlecht recherchiert. Hat aber keine. Beide Zahlenpaare lassen sich aus derselben offiziellen Tabelle ablesen – es kommt darauf an, was man zählt.
Die Tabelle, um die es geht
Die Studienstiftung hat ein Papier mit der geplanten Zusammensetzung des TMSnat veröffentlicht (Stand 26. Juni 2026). Es steht auf tms-info.org und enthält genau das hier:
| Nr. | Aufgabengruppe | Aufgaben | Dauer |
|---|---|---|---|
| 1 | Naturwissenschaftliche Kenntnisse | 40 | 60 min |
| 2 | Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis | 20 | 50 min |
| 3 | Quantitative und formale Probleme | 20 | 50 min |
| – | Pause | – | 60 min |
| 4 | Fakten lernen (Einprägephase) | 20 | 6 min |
| 5 | Textverständnis | 20 | 50 min |
| 6 | Fakten lernen (Reproduktionsphase) | 20 | 7 min |
| 7 | Diagramme und Tabellen | 20 | 50 min |
| 8 | Arithmetisches Problemlösen | 16 | 25 min |
| Testzeit netto | 298 min |
Sieben oder acht
Die Tabelle hat acht nummerierte Zeilen. Aber Zeile 4 und Zeile 6 sind derselbe Untertest: Fakten lernen läuft in zwei Phasen, einmal einprägen, später abfragen, und dazwischen liegen andere Untertests. Wer Aufgabengruppen zählt, kommt auf acht. Wer Untertests zählt, kommt auf sieben.
Beim heutigen TMS ist das genauso, nur fällt es weniger auf, weil dort zwei Untertests zweiphasig sind – Figuren lernen und Fakten lernen. Deshalb kursieren auch für den TMS verschiedene Zahlen.
156 oder 176
Die Aufgabenspalte summiert sich auf 176. Davon stehen aber 20 in der Einprägephase, und das sind keine Fragen: das sind die zwanzig Fallbeschreibungen, die du dir merkst. Beantwortet wird dort nichts. Abgefragt werden sie später in der Reproduktionsphase, und die hat ihre eigenen 20 Aufgaben, die in der Summe schon enthalten sind.
176 minus die 20 Einträge der Einprägephase ergibt 156 tatsächlich beantwortete Fragen. Beide Zahlen stimmen, sie beantworten nur verschiedene Fragen: 176 ist der Umfang der Tabelle, 156 ist die Zahl der Antworten, die du ankreuzt.
Wenn du also irgendwo liest „7 Untertests, 156 Aufgaben" und woanders „8 Untertests, 176 Aufgaben": beides ist dieselbe Tabelle. Niemand hat sich verrechnet.
Was das Zeitbudget verrät
Interessanter als die Gesamtzahlen ist, wie sich die Zeit auf die Aufgaben verteilt. Teilt man die Dauer durch die Aufgabenzahl, fällt ein Muster auf:
| Aufgabengruppe | Zeit pro Aufgabe |
|---|---|
| Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis | 2:30 |
| Quantitative und formale Probleme | 2:30 |
| Textverständnis | 2:30 |
| Diagramme und Tabellen | 2:30 |
| Naturwissenschaftliche Kenntnisse | 1:30 |
| Arithmetisches Problemlösen | ca. 1:34 |
| Fakten lernen (Reproduktionsphase) | ca. 0:21 |
Die vier Untertests, die aus dem TMS übernommen werden, behalten exakt zweieinhalb Minuten pro Aufgabe. Im heutigen TMS bearbeitest du dort jeweils 24 Aufgaben in 60 Minuten, im TMSnat 20 Aufgaben in 50 Minuten – dasselbe Tempo, weniger Umfang. Wer für den TMS geübt hat, muss sein Tempogefühl dort also nicht umstellen.
Die beiden neuen Gruppen laufen deutlich schneller: rund anderthalb Minuten pro Aufgabe, also etwa 40 Prozent weniger Zeit als in den übernommenen Untertests. Das passt zur Art der Aufgaben – Wissensfragen und kurze Rechnungen brauchen keine zweieinhalb Minuten – aber es heißt auch, dass dort Grübeln teurer ist als anderswo. Wer bei einer Wissensfrage nach zwanzig Sekunden nichts weiß, weiß es auch nach anderthalb Minuten nicht.
Die Gewichtung, über die kaum jemand spricht
40 der 156 beantworteten Fragen entfallen auf Naturwissenschaftliche Kenntnisse. Das sind gut ein Viertel des gesamten Tests – mehr als jede andere Gruppe, doppelt so viel wie jeder der übernommenen Untertests. Und es ist die einzige Gruppe, die Fachwissen abfragt statt Denkleistung auf vorgelegtem Material.
Für die Vorbereitung ist das die wichtigste Zahl im ganzen Papier. Bei allen anderen Untertests hilft Technik: wer gelernt hat, eine Behauptung gegen einen Text oder ein Diagramm zu prüfen, kommt auch mit unbekannten Themen durch. Bei Wissensfragen gibt es diese Abkürzung nicht.
Und eine Kleinigkeit, die härter ist, als sie aussieht
Fakten lernen sieht in der Tabelle unverändert aus. Ist es nicht. Im heutigen TMS prägst du dir 15 Fallbeschreibungen in 6 Minuten ein, im TMSnat sind es 20 in denselben 6 Minuten – ein Drittel mehr Material in gleicher Zeit. Die Abfrage bleibt bei 20 Aufgaben in 7 Minuten.
Wer diesen Untertest bisher „irgendwie" gelöst hat, indem er die Liste mehrfach durchgelesen hat, wird das bei 20 Einträgen nicht mehr schaffen. Ohne System wird es dort eng.
Was daran vorläufig ist
Das Papier formuliert vorsichtig: „Nach derzeitigem Planungsstand soll der TMSnat aus folgenden Multiple-Choice Aufgabengruppen bestehen." Das ist kein Beschluss, und es wurde bereits einmal angefasst – in einer früheren Fassung hieß die erste Gruppe noch „Naturwissenschaftsfragen", inzwischen heißt sie „Naturwissenschaftliche Kenntnisse". Die Zahlen sind dabei gleich geblieben.
Wenn du also irgendwo „offiziell bestätigt" liest: bestätigt ist nichts. Geplant ist einiges. Prüf vor deiner Anmeldung die offizielle Seite, und misstraue jeder Quelle, die dir mehr Sicherheit verspricht, als das Papier selbst hergibt.
Quellen
- Studienstiftung des deutschen Volkes: „Geplante Zusammensetzung des TMSnat", Stand 26.06.2026, veröffentlicht auf tms-info.org.
- Aufgabenzahlen und Bearbeitungszeiten des heutigen TMS: Informationsbroschüre zum TMS, ebenfalls auf tms-info.org.